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La Maremma Toscana

Unterwegs in der MAREMMA

Test von Elisa Scarton Detti

Die Maremma gehört zu den weniger bekannten Gegenden der Toskana; unternehmungslustige Reisende können tagelang ungestört durch die Sonnenblumenfelder, schmucken Dörfer und archäologischen Ausgrabungen pilgern.
Am besten erkundet man die Maremma im Auto, da sie nicht gut erschlossen ist durch den öffentlichen Verkehr. Und keine Sorge betreff italienischem Fahrverhalten – hier sind sie in einer ruhigen Ecke der Toskana mit wenig Betrieb auf den Strassen.
Die unten aufgeführten Vorschläge für Tageausflüge in unserer Gegend räumen neben kulturellen Besichtigungen natürlich auch Zeit für kulinarische Genüsse ein.

1. ausflug: entspannen zwischen MANCIANO und SATURNIA

Start: Saturnia
Ziel: Manciano
Länge: 19 km

Das Fioratal ist fruchtbares Landwirtschafts- und Weideland, und die nährstoffreiche Vulkanerde hat über Jahrhunderte einen Grossteil des Bedarfs an Gemüse, Getreide, Sonnenblumen und Tomaten der Provinz Grosseto abgedeckt.

In den letzten Jahren haben viele Bauern die Hacke auf die Seite gelegt und stattdessen B&B’s und Agriturismi aufgetan. Auch heute noch besticht das Tal durch seinen landschaftlichen Charme und seine herzlichen Gastgebern.

Am besten startet man früh morgens mit einem Bad in den unvergesslichen Thermen von Saturnia. The Times, BBC und Lonely Planet zählen die wilden Quellen von Saturnia zu den besten auf der Welt.

Je nach Zeit und Budget, kann man entweder den Pool des Saturnia Spa Hotels besuchen (€22 pro Person) oder sich in die natürlichen Wannen der Cascate del Mulino Thermen legen. Beide befinden sich längs der SP10 unterhalb des Dorfes Saturnia. Lassen Sie das Auto stehen und geniessen Sie  das 37 Grad warme Wasser, das diese Quellen zu einer der Hauptattraktionen der Toskana macht.

Der frühe Morgen ist der ideale Zeitpunkt für ein Bad. Die Heilquellen sind seit Jahrhunderten bekannt und auch als natürlich sanftes Peeling geschätzt. Nicht überraschend also, dass der Ansturm gross ist.

Wieder trocken folgen sie der SP10 und danach der SP159 nach Montemerano. Oft übersehen, lohnt sich ein Spaziergang durch Montemerano, das kürzlich zu einem der borghi più belli d’Italia, einem der schönsten Städtchen Italiens gewählt wurde.

Gebaut im 12. Jahrhundert war Montemerano ursprünglich eine einfache Garnison für die Soldaten der Aldobrandeschi, der Herrscherfamilie dieser Gegend im Mittelalter. Im Verlauf der Zeit und trotz wechselnden Herrschaften hat sich Montemerano viel seiner Schönheit bewahren können. Piazza Castello ist der Mittelpunkt des Dorfes, aber die kleinen Gassen, in denen man ältere Einwohner trifft  deren Familien hier seit Generationen leben, sind ebenfalls eine Erkundung wert.

Entlang via Italia findet man Souvenirs und ein feines Mittagessen in einer von Montemerano’s familiengeführten Osterie. Die Spezialität des kleinen Ortes sind Kutteln in Tomatensauce mit viel Parmesan.

Als Verdauungstour fahren sie die knapp 10 Minuten auf der SP159 nach Manciano, dem kulturellen Zentrum des Fiora Tales.

Das kürzlich renovierte Museum Museo Preistoria e Protostoria ist an Wochenenden und auf Anfrage geöffnet. Es ist eines der wenigen Museen Italiens, das Ausstellungsstücke aus jeder Ära der Vorzeit ausweisen kann. Das Museum Maskottchen Lucy sorgt dafür, dass auch ganz junge Besucher Spass haben entlang eines speziell für sie entworfenem Museumspfades (Eintritt 2€).

Für einen wunderbaren Sonnenuntergang schlendern Sie durch die via Marsala zur Piazza Garibaldi und Mancianos Festung. Das Panorama erstreckt sich von der Argentario Küste bis zum Monte Amiata. Danach gibt es eine feine Pizza in einer der vielen Pizzerien im Ort.

2. Ausflug: AUF den spuren der geschichte durch die tuffstein städte

Start: Sovana
Ziel: Pitigliano
Länge: 19km

Die geschichtsträchtigen Tuffstein Städte waren lange vor der Gründung Roms das zu Hause der Etrusker, ein talentiertes Volk das Wein anbaute, filigranen Goldschmuck und schöne Keramik herstellte und mit dem ganzen Mittelmeer Handel betrieb. Der Ruhm der heutigen Städte gründet nach wie vor in den imposanten Strassen und Nekropolen, die von den Etruskern aus dem Tuffstein gehauen  wurden.

Starten sie ihre Rundfahrt im an der SP22 liegenden Sovana, der kleinsten der drei Tuffstädte. Ursprünglich Suana heissend, war die Stadt weit über die etruskischen Grenzen hinweg bekannt für ihre Seide und Keramik Produktion. Im Mittelalter wurde hier Papst Gregorius VII. geboren, aber über die Jahrhunderte wurde Sovana Opfer der Malaria und einer stätigen Bevölkerungsabwanderung.

Der geschichtliche Niedergang ist für den heutigen Tourismus ein Glück, da das Städtchen dadurch seine mittelalterliche Architektur erhalten hat. Heute kann man bei einem Besuch den Handwerkern zuschauen die noch mit denselben Farbtönen arbeiten, die Sovana einst zu einem Künstlerzentrum gemacht hatten. Oder Sie schlendern zum eindrücklichen Dom – das einzig erhaltene religiöse Gebäude im romanischen Baustil in dieser Gegend.

Von Sovana fährt man für eine knappe Viertelstunde der SP22 entlang nach Sorano, in deren Nähe man den Parco Archeologico Città del Tufo findet. In den Ausgrabungen findet man einige der spektakulärsten etruskischen Gräber der Maremma. Bequeme Schuhe sind ein Muss, da die Ausgrabungen in waldigem Gebiet liegen. Eintritt ist €5.

Zurück in Sorano parken sie in via Cavour direkt vor der Fortezza Orsini. Die Stadt wurde nach dem etruskisch – sabinischen Gott Pater Soranus benannt, der sein ewiges Leben in diesen Bergen verbringen soll. Ein passender Name für das steil über einem Flusstal balancierende Sorano. Die Fortezza Orsini (Info zum Besuch beim Tourist Office) ist Zeuge Sorano’s tapferer Geschichte. Dank der Festung und zahlreicher in Stein gemeisselten Tunnels wurde Sorano als eine der wenigen Städte der Maremma nie erobert.

Vor der Weiterfahrt stärkt man sich am besten mit einem Bissen in einer von Sorano’s Trattorien. Danach geht es auf der SS74 nach Pitigliano. Die bekannteste der drei Tuffstein Städte hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten, zu deren Besichtigung man am besten den ganzen Nachmittag einplant. 

Einer Legende zu Folge erhielt die Stadt ihren Namen von Petilio und Ciliano, zwei Brüdern die eine Krone gestohlen hatten und sich danach in den Hügeln der Maremma zwischen Hirten und Bauern versteckten. Pitigliano’s Strassen und die Fundamente seiner Häuser wurden seit etruskischen Zeiten direkt aus dem Tuff gehauen. Die auf einem riesigen Gestein thronende Stadt macht für einen eindrücklichen Anblick; auch nachts wenn sie in der Luft zu schweben scheint.

Seit dem späten Mittelalter lebte in Pitigliano eine grosse jüdische Bevölkerung, weshalb die Stadt auch Piccola Gerusalemme oder kleines Jerusalem genannt wurde. Das jüdische Ghetto und das zugehörige Museum können täglich besichtigt werden (ausser Samstags, Eintritt €5). Ein Besuch von Pitigliano’s Museum im Palazzo Orsini führt weiter in die Geschichte der Stadt ein.

Schliessen sie den Tag mit einem Aperitif in einer Bar oder Weinhandlung und einem anschliessenden Abendessen ab. Die Stadt hat das beste Nachtleben in der Umgebung, das teilweise in den alten Tuffstein Kellern stattfindet. Als lokale Spezialität zu probieren ist lo sfratto, ein Gebäck aus der jüdischen Tradition, das am besten gemeinsam mit einem Glas Weisswein der DOC Bianco di Pitigliano schmeckt.

3. AUSFLUG: entlang der ARGENTARIO küste

Start: Orbetello
Ziel: Porto Santo Stefano
Länge: 18km auf der Provinzstrasse oder 41km über die (sehr holprige) via Panoramica

Küste und Strände der Maremma mögen weniger bekannt sein als diejenigen der Cinque Terre oder Amalfiküste. Dies obwohl die Gegend wunderbare Buchten und ruhige Strände hat, die sich für Naturliebhaber genauso wie für Familien eignen.

Vor dem Strandbesuch stoppt man als erstes für den obligaten Cappuccino und ein mit Vanillecreme gefülltes cornetto auf dem Corso Italia in Orbetello gleich zu Beginn der Lagune.

Orbetello hat einige der besten Geschäfte und schönsten Bauten der Umgebung. Die Stadt kam zu Ansehen als Hauptort des Stato dei Presidi, ein vom Grossherzogtum der Toskana unabhängiges spanisches Territorium des 16. Jahrhunderts. Orbetello ist umgeben von der Lagune, die ein Naturreservat und Paradies für Vogelbeobachter ist.

Fahren Sie auf der SS440 weiter nach Porto Ercole. Das hübsche Hafenstädtchen ist umgeben von spanischen Festungsbauten und wunderschönen Strandbuchten. In der Altstadt kann man den Spuren Caravaggio’s folgen der hier im Jahr 1610 gestorben ist. Oder schlendern Sie der Hafenpromenade entlang und probieren sie in der Kaffeebar La Creola das lokale Eis, das mit Kastanienpüree und dunkler Schokolade zubereitet wird.

Die Argentario Küste bietet eine grosse Auswahl an Buchten für einen Nachmittag am Strand. Folgen sie der via Panoramica, eine schöne aber nicht geteerte Strasse die der Küste entlang nach Porto Santo Stefano führt. Die Strasse ist eng und kurvig und hat viele Schlaglöcher, also nur für abenteuerlustige mit robustem Auto zu empfehlen.

Wer es gemütlicher mag fährt der SS440 entlang Richtung Porto Santo Stefano. Der grösste Hafen der Umgebung hat Fährverbindungen zu den schönen Inseln Giglio und Giannutri. Retour Fahrkarten ab 20€.

Entlang der Strasse nach Porto Santo Stefano kann man in kleinen Buchten baden. Oder man fährt zur Fortezza Spagnola hoch und besucht das Museo del Mare, dessen Ausstellung von Seefahrern und Schiffswracks bis zurück in die Etruskerzeit berichtet.

Natürlich wäre ein Tag am Meer nicht komplett ohne ein Fischessen. Porto Santo Stefano hat eine grosse Auswahl an guten Restaurants, in denen man einen Teller spaghetti allo scoglio essen kann (zubereitet mit frischen Krustentieren). 

Elisa ist eine australische Journalistin die für ein Jahr in die Toskana gezogen ist, sich (natürlich!) verliebt hat und danach nicht mehr fortgezogen ist. Auf ihrem englischsprachigen Blog  (www.maremma-tuscany.com) erzählt sie den Lesern von den bekannten und weniger bekannten Ecken der Maremma. Ebenfalls erhältlich ist ihr Print-Reiseführer über die Maremma in Englisch.

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