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Die Kunst des Weinbaus

Das Schreiben lag mir nie besonders, aber während meines Studiums durchging ich eine harte Lehre bei Professor Carlo, meinem Lehrer und Begleiter meiner Dissertation. Mit zustimmender Miene liess er mich Gedankengänge formulieren und ganze Abschnitte schreiben, um danach die Hälfte über Bord zu werfen und den verbleibenden Text auf den Kopf zu stellen. Jedes Wort war abzuwägen und die Satzzeichen erst…  Ich studierte die Wissenschaft und lernte dabei mich besser auszudrücken als je zuvor.

In den letzten vier Jahrzehnten habe ich mich um präzises Vokabular und gut verständliche Schreibweise in Forschung und Wissenschaft bemüht, aber wirklich am Ziel angekommen ist man nie.

Seit ich in der Welt des Weines tätig bin, staune ich oft, wie gross der Unterschied zwischen Werbung und Wirklichkeit ist. Erst recht wenn von biologischem und biodynamischem Weinbau oder Naturwein geredet wird. Immer mal wieder scheint mir, werden diese Ausdrücke vor allem gebraucht um auf sich aufmerksam zu machen und weniger um sie in Realität umzusetzen. Dem Wettbewerb der Schaumschläger halte ich mich lieber fern, aber mit Rückblick  auf mein Studium und meine Forschungstätigkeit liegt mir der sorgfältige Umgang mit den obigen Begriffen am Herzen; schliesslich muss man in der Landwirtschaft und der angewandten Biologie immer bereit sein die Gründe hinter einer bestimmten Wahl neu zu überdenken und genau zu erklären. Ein Beispiel dafür sind die alten und neu bepflanzten Weinberge der Fattoria la Maliosa. Lesen Sie weiter…

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Landwirtschaftliche entscheide im bezug auf die geologie unserer boden

Das Gebiet der Fattoria la Maliosa liegt zwischen den Fiora und Albegna Flussläufen in der Provinz Grosseto im Süden der Toskana. Die geologische Geschichte reicht vom Untermiozän (vor 10 Millionen Jahren) bis ins über 10‘000 Jahre zurück liegende Pleistozän. Das hügelige Gelände der Maliosa ist demgemäss morphologisch und stratigrafisch sehr unterschiedlich beschaffen.

Das gesamte Gebiet wurde durch die Jahrtausende von verschiedenen Wasserläufen überschwemmt. Spezielles Augenmerk verdient  das grosse marine Sedimentbecken, in dem die heutigen Hügel den niedrigen Bereichen und die Täler den einstmaligen Tiefen des Meeres entsprechen.

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Das Gebiet des Monte Cavallo – Foto Barbara Pulliero (http://www.sorgentedelvino.it/)

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Von der Rebe zurück zum Wald

Seit meiner Kindheit habe ich es geliebt, auf Anhöhen zu klettern, um den Blick in die Weite schweifen lassen zu können. Als ich in die Ebene gezogen bin, hat mir dieser Ausblick lange gefehlt, bis ich nach einer Weile die Flussläufe entdeckt habe, die mir eine ähnliche Freude bereitet haben. Aber nie in diesem Masse. In die Höhe zu können, blieb eine Vorliebe und so bin ich, kaum angekommen in der Fattoria La Maliosa, gleich auf den Montecavallo gestiegen um die Aussicht über die Hügel der Maremma zwischen Mittelmeer, Saturnia, Monte Amiata und der Provinz Viterbo zu bewundern.

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Unterdessen weiss ich gar nicht mehr, wie oft ich schon auf diesen Hügel gepilgert bin, um jedes Mal die gleiche und doch immer wieder anders wirkende Aussicht zu bestaunen. Landwirtschaftlich gesehen haben mich die vielen Wälder in diesem Gebiet mit ihrer ursprünglichen Bedeutung am meisten fasziniert. Die ersten Pflanzen tauchten vor zirka 400 Millionen Jahre auf unserem Planeten auf, und ihre Kolonisation der Erde hat zu komplexen und unterschiedlichsten Ecosystemen geführt. Seit seinen Anfängen hat der Mensch immer versucht Pflanzen zu nutzen und seine Äcker vor der Verwilderung zu schützen. Unsere heutige Landwirtschaft ist das Resultat des ewigen Wettstreites zwischen Baum und Mensch. Unsere ganze Geschichte ist gezeichnet davon: der Wald als Quintessenz der Natur und als Ökosystem, dem wir über die Jahrtausende unsere Agrarlandschaft entrissen haben.  Auch die Rebe hatte ihr eigentliches Habitat im Wald. Als Lianengewächs wuchs sie sich an Bäumen klammernd in die Höhe.  Exemplare der Vitis Sylvestris (Wildrebe) findet man vereinzelt noch in der Maremma. Einige  davon auch auf dem Gebiet der Maliosa, speziell in der Nähe von Wasserläufen.

Der Mensch hat die Rebe aus dem Wald heraus geholt, und die Gattung Vitis hat unzählige Selektionen erfahren, meist mit dem Ziel Qualität und Ertrag zu steigern. Heute schlängelt die Rebe nicht mehr Bäume sondern Stützpfähle hoch und ist einer langen Serie von Rebschnitten und Modellierungen ausgesetzt, deren sie nur begrenzt gewachsen ist (die Schnittwunden der Rebe vernarben nicht, wodurch die Pflanzen dauernd dem Eindringen von Schädlingen ausgesetzt sind). Die Lebensdauer der heutigen Rebstöcke hat sich deshalb auf wenige Jahrzehnte verringert.

In den meisten Weinbergen sind die Rebstöcke vertikal in Reihen angebaut, und die durch den jährlichen Rebschnitt klein gehaltenen Pflanzen werden im Spalier auf das Unterstützungsgerüst gebunden. Die Reihen werden normalerweise parallel zur höchsten Neigung des Geländes angelegt.

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Auf drei geologisch und orographisch sehr unterschiedlich beschaffenen Böden werden auf dem Maliosa Gut zur Zeit neue Rebberge angelegt, die den historisch in der Maremma verbreiteten Traubensorten Vorrang geben. Diese Wahl dient dem Erhalt der landschaftlichen Schönheit der Toskana und der in ihr enthaltenem Wertesystem, während die Architektur des Weinbergs in jeder Hinsicht der Physiologie der Pflanze entsprechen soll, um damit die  bestmöglicher Qualität von Trauben garantieren zu können.

Es handelt sich auch um einen Versuch den Rebberg wieder in die Nähe des Waldes zur rücken; um damit einen Dialog zu beginnen, der den Wald als ursprünglichsten Ausgangspunkt der Landwirtschaft begreift.

Lorenzo Corino

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Unsere Antwort an Robert Parker

Als ich anfangs Jahr die Worte von Robert Parker gelesen habe – der selbsternannte Weinpapst erklärte in einem Tweet anfangs Januar, dass der Naturweinbetrug im Jahr 2014 auffliegen wird – war ich ziemlich aufgebracht.

Im Gespräch mit Lorenzo Corino habe ich mich beschwert über den fehlenden Respekt für eine Welt und Arbeitsweise, die in den meisten Fällen aus harter Arbeit und hohen Idealen besteht, und über die alte Debatte, die immer mal wieder die üblichen Klischees zum Thema Naturwein zur Sprache bringt.

Lorenzo hat mich in seiner gewohnt ruhigen und vorurteilsfreien Art daran erinnert, was unsere Aufgabe ist und welchen Wert unsere Arbeit für alle hat; nicht nur für das Weingut an sich oder für ein paar ausgewählte Weinliebhaber. Ich habe Lorenzo gebeten, seine Ausführungen aufzuschreiben und habe sie an Luciano Ferraro  weitergeleitet, der das Gut La Maliosa seit einiger Zeit mit Interesse verfolgt und Lorenzos Worte auf dem Weinblog von Corriere della Sera publiziert hat.
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Lorenzo Corino in vigna vecchia alla Fattoria la Maliosa. Sullo sfondo il Monte Cavallo
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Frohe Weihnachten und ein gutes 2014!

Frohe Weihnachten und ein gutes 2014!

Gerne erinnere ich mich an die wichtigsten Momente von La Maliosa in 2013: viele neue Projekte zu entwickeln und gemeinsame Wege mit Lorenzo, Sara, Paola und Dominique zu begehen.
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La Maliosa, Ort der Stille

Vor einem Jahr bin ich in den Hügeln der Maremma angekommen, spät abends am 9. Dezember. Im stockdunkeln fuhr ich der kurvigen Strasse entlang durch endlose Wälder und an einem Stachelschwein vorbei (das erste Mal, dass ich einem begegnet bin). Zum Maliosa Weingut habe ich mich am nächsten Morgen begeben und wurde auf dem Montecavallo beim klaren Licht im Winter mit einer Aussicht bis zum Meer und zur Monte Argentario Halbinsel empfangen.

Ein Anblick, der mich an Emilio Sereni‘s Beschreibungen der italienischen Agrarlandschaft denken liess. So anders ist die Maremma im Vergleich zu meinen Hügeln in der Langhe, die fast durchgehend mit Weinbergen bepflanzt sind. Und dann die Ruhe hier und die vielen Zerreichen, die mich an die Baumforschungen von Alex Shigo und Claus Mattheck denken liessen.

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Albero autunnale della FAttoria La Maliosa
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Vorschau des la maliosa 2013 öls im alcatraz bereich von wine in progress florenz

Am Wochenende vom 16. und 17. November 2013 fand in Florenz der 47. Nationalkongress des AIS (Italianischer Sommelier Verband) statt, Wein in Progress. Die Location war die berühmte Stazione Leopolda, die sich gut für wichtige Veranstaltungen eignet.
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Congresso Nazionale dell’AIS Associazione Italiana Sommelier
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Natürlicher Wein – Um mehr darüber zu wissen!

Es gibt Ausdrücke die öfters in der Umgangssprache benützt und fast modisch werden, obwohl wenige ihre eigentliche Bedeutung kennen. Einer davon ist zweifellos „natürlicher Wein“.
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Vino La Maliosa
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RAW – The Artisan Wine Fair

Nicht einmal 10 Tage sind seit unserer Rückkehr aus London vergangen. Wir waren mit unseren biodynamischen Weinen dort, um an der RAW teilzunehmen, eine der wichtigsten Veranstaltungen natürlicher Weine,  die in London stattfindet. Für mich war es ohne Zweifel eine der schönsten Ausstellungen, an denen ich teilgenommen habe. Die Organisatoren, Quentin und Isabelle haben alle Weinhersteller, deren Anwesenheit erfragt war, persönlich und sehr warmherzig begrüsst.

Die Atmosphäre war warm, fröhlich und vertraut. Wichtige Weine (zuvor von den Organisatoren verkostet und ausgelesen) waren ausgestellt, und auch viele kulinarische Spezialitäten aus England waren zu verkosten. Ausgezeichnete Käse, leckere Desserts, frischer Lachs und köstliche Aufschnitte.
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Antonella Manuli al RAW
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La Maliosa im ViViT 2013

Vinitaly ist ein Ereignis, das jedes Jahr einen grossen Aufruhr in die Welt der Weinhersteller bringt. Seit dem letzten Jahr gibt es inmitten der Vinitaly-Kermesse eine Oase die nicht unbemerkt bleibt: ViViT. Ein gut abgesonderter Bereich, grösser und luftiger als letztes Jahr, in einem Teil der renovierten Halle 11, dank der geduldigen Arbeit der Veranstalter die sich als Vi.Te. Vereinigung organisiert haben. Die Einrichtung ist einfach, mit Panels die den Hersteller und seine Herkunftsregion klar identifizieren: die eigentlichen Stars sind die Weine und ihre Hersteller, in einer „natürlichen“  Kulisse, die was man verkosten wird, gut wiederspiegelt.
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La Maliosa al ViviT
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